Gewinnung



Bürsten wie wir sie verwenden.

Im Frühjahr stossen die Tiere ihre Winterwolle ab, die gesuchten feinen Kaschmirfasern. Der verantwortungsbewusste Tierhalter schärt das Tier in einer frühen Phase dieses Prozesses oder kämmt ein paar Tage später die Wolle aus.

Schären eignet sich besondern bei grösseren Tierbeständen. Es braucht dazu einen Kaschmirziegen-Schärstand und eine Kaschmirziegen-Schärmaschine mit der feinen Wolle angepasstem Schärkopf, das heisst insbesondere mit möglichst vielen Zähnen. Die Wolle ist sorgfälltig in einem Schnitt direkt über der Haut der Tiere vom Torso zu entfern. Das gewonnene Flies besteht je hälftig aus Wolle und Deckhaaren. Nach dem Schären sind die Tiere für ein paar Wochen (mit Decken) gut vor kälte zu schützen.

In kleineren Tierbeständen ist das Ausbürsten der Unterwolle vorteilhafter. Wir verwenden eine Hundebürste mit flexiblem Kissen. Bei einer rücksichtsvollen Arbeitsweise geniessen die meisten Tiere diesen Umgang. Es braucht innerhalb von ein paar Tagen zwei bis drei Anläufe um einen guten Teil der Wolle auszubürsten. Die meisten Deckhaare verbleiben am Tier und schützen es weiterhin recht gut vor der Witterung.

Die gewonnene Wolle ist bis zur Weiterverarbeitung gut vor Motten zu schützen! Wir verwenden luftdicht schliessende Plastikkisten.


Sortieren



Prinzipzeichnung der Sortiermaschine von Wira

Unter sortieren versteht man die Trennung der feinen Unterwolle vom Deckhaar und Verunreinigungen. Früher wurde die Trennung manuel vorgenommen. Heute werden meist spieziallisierte Kardmaschinen verwendet. Industrielle Kaschmir-Wollverarbeiter fordern üblicherweise eine Mindestmenge von 100Kg, was grob der Ausbeute von 500 Kaschmirziegen entspricht.

Bei kleineren Mengen kann man sich mit Maschinen behelfen, die in der Industrie zur Bestimmung des Anteils an Fremdmaterial im Kaschmirziegen-Flies verwendet werden. Pro Sortiermaschinen können pro Verarbeitungsgang mit maximal 100gr Sortiergut beschickt werden. Dies tönt nach wenig. Für alle welche die Kaschmirwolle schon einmal händisch aussortiert haben ist dies eine echte Wohltat, schaft doch kaum jemand in einer Stunde 10gr. Ein geeignetes Gerät kann bei "WIRA" bezogen werden.


Kämmen

Durch Kämmen werden die Wollfasern gleichmässig ausgerichtet und die kurzen aussortiert. Gleichzeitig können in diesem Verarbeitungsschritt artfremde Fasern der Kaschmirziegenwolle zugefügt werden. Für hochwertige Produkte werden gerne fünfundzwanzig Prozent Seide in das Flies eingearbeitet. Das Endprodukt gewinnt damit an Stabilität und Geschmeidigkeit.


Spinnen und Zwirnen

Beim Spinnen wird das Flies zu einem Faden gedehnt und verdrillt. Üblicherweise wird die Kaschmirwolle zu dünnen Fäden versponnen. da diese nur kleine Zugkräfte übertragen können, sind die bei uns bei Handspinnern üblichen Flügelräder weniger geeignet.

Die geeignete Technik ist das Spinnen am langen Faden, wie es an der Handspindel seit jahrtausenden praktiziert wurde. Eine moderne Variante dieser Technik wurde mit dem "Rio Grande Wheel" umgesetzt. Der alternativ erhältlich, erlektrische Antrieb ist nicht nur für tretfault eine gute Wahl.

Beim Zwirnen werden zwei oder mehr Fäden ein oder mehrmals wie ein Seil ineinander verdrillt. Dadurch erhält der resultierende Faden die notwendige Stabilität. Dies ist eine Voraussetzung, dass die resultierenden Textilien lange Freude bereiten.





Jonas Wagner, ITos GmbH