Baumanns Naturkunde

Die Hörner der Ziegen sind knotig und nach oben und hinten gerichtet. Das Kinn ist gewöhnlich mit einem langen Bart versehen. Es sind muntere, schalkhafte Thiere, die von allerlei Pflanzen sich nähren, und uns durch Fleisch, Fett, Milch und Fell sehr nützlich werden.

 

Die wilde Ziege lebt herdenweise auf den Gebirgen Persiens. Sie unterscheidet sich von der zahmen durch ihre nach vorn schneidenen Hörner, die beim Bock sehr gross, bei der Ziege hingegen kurz, manchmal kaum angedeutet sind.

 

Die Hausziege scheint von der vorigen abzustammen. Es gibt bekanntlich, wie beim Rind und Schaf, eine Menge von Rassen, die durch grösse, Farbe,Haarwuchs und Hörner sich unterscheiden. Ihr Nutzen ist sehr gross, und besonders für ärmere Familien, die keine Kühe zu halten vermögen, höchst wohlthätig. Für Alle hat der Herr gesorgt!

 

Die Ziege trägt fünf Monate und kann schon mit dem siebenten Monat trächtig werden. Sie gebiert gewöhnlich zwei Junge.

 

Die Kaschmirziege gehört ebenfalls unter die Hausziegen. Sie hat gerade, spiralförmig aus einander laufende Hörner, lange,herabhängende Ohren, und ist mit langen, feinen, gewöhnlich schwarz und weissgefärbten Haaren besetzt. Sie lebt im südlichen Hochland Asiens. Aus ihren Haaren werden in Kaschemir, einer indischen Provinz, die kostbaren Shawis, womit reiche Frauen sich schmücken, verfertigt. Noch gegenwärtig sollen in der Stadt Kaschemir allein bei fünfzehntausend Webstühle mit der Verfertigung des Prunkartikels beschäftigt sein. Ein Pfund solcher Ziegenwolle, die noch dazu mit gemeinem Ziegenhaar gemischt ist, kostet immer noch bis siebzig oder mehr Gulden. An manchen ächten Shawis ist die Weberei so ausserordentlich fein, dass drei Menschen an einem einzigen oft über ein Jahr arbeiten, und täglich nicht über einen Viertelzoll zu Stande bringen. Ein solcher kostet dann auch mehrere hundert Thaler, dauert aber auch mehrere Menschenalter aus.

 

 

J. Baumann(1837): Naturgeschichte für das Volk, Ein Buch für Schule und Haus, zur Verbreitung der Kenntnis Gottes aus seinen Werken; Verlag von Xaver Mener, Luzern; S. 501f.





Jonas Wagner, ITos GmbH